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ARC Rhenus - Berichte


Federweißen-Tour 2006

Wahrheit oder Mythos?

Federweißentouren sind immer was Besonderes: spätsommerliches Wetter, gepaart mit ein bis zwei Gläschen Federweißen - da ergibt sich eine gewisse Dekadenz von selbst. Die 2006er-Version der Federweißentour, die von Traben-Trabach nach Koblenz führen sollte (ja - SOLLTE!), war jedoch wirklich mal was ganz anderes!

In Sachen Dekadenz stand sie zumindest durch nichts zurück - 5 Bleche Zwiebelkuchen (deren Belag - jetzt kann man's ja ruhig erzählen - von Anna-Lisa und mir in meinem 10-Liter-Putzeimer angerührt wurde) standen für den ersten Abend bereit. Auch trug die malerische Landschaft und der sanfte Walnuss-Niederschlag zur allgemeinen, gleichsam romantisch verklärten Abendstimmung bei. Als dann auch die Kieler endlich aufschlugen, war das „Dream Team“ endlich komplett und der Abend konnte angemessen ausklingen.

Am nächsten Morgen dann die üblichen Phasen, bis es losgeht: Frühstück, Fertigmachen, planloses Rumstehen I, Boote abladen und zusammenbauen, planloses Rumstehen II, Verlesung der Einteilung und mehr oder weniger gerechte Verteilung des Proviants auf die Boote.

Allerdings setzt schon jetzt meine Erinnerung aus. Ich hatte mich heldenmütig bereit erklärt, erstmal zu steuern, und bis zur ersten Schleuse lief das Flens schon unerhört gut. Dann der GAU: Die Hohe Dame Kaske hatte, da das mitgeführte Stöffchen noch nicht die angemessene Reife erreicht hatte, zwei 10-Liter-Kanister Federweiße im Endstadium beschafft. Einer dieser Kanister fand nun unglücklicherweise den Weg zum Steuerplatz, und somit verschwamm der weitere Tag in einem Anflug von Nebel… es heißt jedoch, man sei bis Bullay gefahren, habe dort an einem Campingplatz die Boote aus dem Wasser geholt und sei dann per Bahn zurück nach Traben-Trabach gefahren. Dieser Hergang würde jedenfalls den Startort des nächsten Tages hinreichend erklären, also bin ich geneigt, mich dieser Schilderung anzuschließen. Erwähnenswert ist auch das vorzügliche Essen, mit dem uns Bbr. Schneider an diesem Abend verwöhnte. Ach ja, dachte man, so lässt sich's leben.

Der nächste Tag war voller dunkler Vorzeichen, die jedoch niemand so recht ernst nehmen wollte. Doch der Reihe nach:

Als erstes streikte der Kieler BoWa, genauer gesagt spie er beeindruckende blaue Dunstwolken aus. Dennoch wurden die Ruderer nach Bullay geschafft, wo auf Grund logistischer Engpässe die ersten zwei Boote ohne Proviant losfahren mussten; dieser konnte erst im Hafen Senheim übernommen werden, wo eine allgemeine Mittagspause stattfand. Dass niemand "Bolo dem Waldgott", der in Form eines bemalten Steines am Ufer stand, geopfert hatte, sollte noch fatale Folgen haben.  Dennoch kamen alle wohlbehalten am Tagesziel Cochem an und wurden dann nach Koblenz ins neue Quartier gekarrt. Essen gab es diesmal in der Koblenzer Altstadt; auf dem Rückweg wurde spontan Cls. Pistors Geburtstag gefeiert; der weitere Abendverlauf war "Business as usual".

Und dann kam der Tag, von dem noch Generationen von ARVern und Rhenusen erzählen werden:

Morgens wurde erstmal der ARV-BoWa zur Inspektion gefahren; die Dignose sollte vernichtend sein: Ein neuer Rücktransport musste gefunden werden. Nun gut, daran konnte man nun aber erstmal ja nichts ändern. Also auf nach Cochem, wo man nach einem längeren Gepäckmarsch vom Hauptbahnhof aus an den Booten ankam. Tagesziel war Kattenes, davor stand eine Weinprobe auf dem Programm.

Der Weg zur Weinprobe verlief geradezu wie von selbst - wer einen Poncho oder ähnliche Stücke dabei hatte, konnte durch den Wind einen erheblichen Vortrieb erzielen. Während ich also die Baas mit vollstem Körpereinsatz als Mast vorantrieb, verteilte AH Huth kleine Spezereien und Jennifer aus seinem Zauberbeutel. Und dann waren wir schon da, bei "Harvey". Nach einer sehr netten Probe, bei der man sich auch an den Schmalzbroten laben konnte, erwarb ich rasch noch eine Flache Trester. Ein paar andere Teilnehmer tätigten ein paar Weinkäufe und auch Federweißer wurde noch beschafft. Nach einigen Querelen über Bootsplatzverteilung ging es dann weiter - dem Unheil entgegen.

An der Müdener Schleuse nämlich wurde es ungemütlich - wie heißt es so schön im Lied "Die Schlacht im Teutoburger Wald": "Hui, wie pfiff der Wind so kalte / Raben flogen durch die Luft / und es war ein Moderduft / wie von Blut und Leichen". Na ja, ganz so schlimm war es zwar nicht, aber der stetige Rückenwind frischte nun doch unangenehm auf und erforderte höchste Konzentration beim Einfahren und Festmachen in der Schleuse. Als nun die Ruderboote soweit festlagen und wir davon ausgingen, dass die Schleuse nun schließen würde, fuhr noch eine Motoryacht ein - die "Regina Maris". Zügig fuhr sie ein und wollte wohl elegant hinter uns festmachen, dann allerdings riss der Gaszug, und der Kapitän fuhr nicht, wie er wohl dachte, rückwärts, sondern schoss im Gegenteil auf uns zu. Beim Aufprall wurde die "Baas" (ein BRV-Leihboot) mehrere Meter nach vorn gedrückt, bis sie auf ein kleineres Motorboot prallte. Dann überfuhr die Yacht, die zum Glück vorher recht heftig gegen die Schleusenwand geschlagen war und somit einen leichten Diagonalkurs hatte, über die Backbordausleger - ohne diese Abweichung wäre sie wohl glatt übers Boot gefahren. In Panik riss der Kapitän nun das Steuer rum (was dazu führte, dass Cls. Froborg und ich eine elegante Turneinlage über die Heckplattform vollführen durften, um nicht in die Schraube zu gelangen) und rammte „Semester 31“ zwischen den Plätzen 3 und 4. Zum Glück konnte sich die Besatzung, von denen die meisten die Bedrohung rechtzeitig erkannt hatten, ans Ufer klettern; lediglich Clb. Hansen konnte sich nur durch einen Sprung ins Wasser retten. Schließlich wurde die Fahrt der "Regina Maris" am geduldigen Heck eines niederländischen Frachters aufgehalten, wo der Motor noch minutenlang lief, bis AH Huth, der inzwischen dem Wasser entstiegen war, den völlig paralysierten Kapitän mit deutlichen Worten dazu bringen konnten, diesen Zustand doch bitte zu ändern.

In der Schleuse indes herrschte mittelmäßiges Chaos; Besatzungsmitglieder und Gepäckstücke aus "Baas" und "Semester 31" schwammen in der Schleuse; die beiden Boote waren schwer angeschlagen und voll Wasser gelaufen. Wie durch ein Wunder war jedoch niemand ernstlich verletzt; lediglich Bs. Werchau erlitt eine Schulterverletzung, an der sie leider bis heute laboriert. Zusammen mit Clb. Hansen und Cls. Katthagen, die Schocks erlitten hatten, wurde sie vorsichtshalber ins Krankenhaus gefahren. Auch die Gepäckstücke wurden alle geborgen; verschollen blieb lediglich der Werkzeugkasten. Sehr zum Ärger des Schleusenwärters, dessen Aufmüpfigkeit allerdings an den subtilen Andeutungen des mitgeführten Staranwalts AH Huth im Keim erstickt werden konnte.

Zurück nach Koblenz ging es dann, nachdem die intakten Boote kurz hinter der Schleuse an Land gezogen worden waren, per Zug. Die gedämpfte Stimmung konnte bald jedoch durch die frohe Nachricht, dass niemand ernstlich verletzt sei, etwas erhellt werden, und als dann endlich wieder alle beisammen saßen, kam doch eine frohe, von leichtem Galgenhumor geprägte Stimmung auf.

Schließlich wurde auch das Problem des Rücktransports der Kieler gelöst und so fuhren alle in Richtung Heimat.  

"Semester 31" wird übrigens repariert werden, und auch die "Baas" wird wohl vom BRV instand gesetzt. Die zerstörten Skulls konnten rasch ersetzt werden, und in der Woche danach fuhren dann die Rhenusen den Rhein-Marathon mit - was sie dort erlebten soll jedoch ein anderes Mal erzählt werden.

Zusammenfassend lässt sich denke ich sagen, dass diese Fahrt für alle Teilnehmer unvergesslich sein wird. Â

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