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ARC Rhenus -  Berichte


Ostern in Schwerin

oder: Mit Sturm, Bahn und Banane...

Nun ja, irgendwie trifft es immer mich, von Gemeinschaftswanderfahrten mit dem ARV Kiel zu berichten. Natürlich bin ich dazu stets gern bereit, doch sollte es der geneigte Leser einmal als langweilig empfinden, immer denselben Stil von immer demselben Autor vorgesetzt zu bekommen, so gebe er eine kurze Notiz an die CN-Redaktion oder auch an mich. Es ist ja nicht so, daß es mir ein persönliches Anliegen wäre, mich ständig aufs Neue literarisch zu betätigen...

Doch zu Sache: Bereits während der gemeinsamen, von Andrea und Claus organisierten Federweißen-Tour im Oktober 2002 hatten die Aktiven des ARV Kiel angekündigt, für Ostern ebenfalls eine Gemeinschaftswanderfahrt zu planen. Und so erhielten wir einige Wochen später die Einladung, an einer viertägigen Tour mit Standquartier in Schwerin teilzunehmen. Dieses Ziel entsprach zwar nicht der ursprünglichen Idee, für beide Vereine etwa gleich weite Anfahrten zu haben, erwies sich aber bereits im Vorhinein als so attraktiv, daß immerhin acht Rhenusen und zwei rhenus-nahe Gäste mitfuhren und somit ARV und Rhenus in etwa gleich stark vertreten waren.

Dank Susis unermüdlichen, wenn auch von ständigem Hin und Her einiger Beteiligter gehemmten Bemühungen reiste der größere Teil der Abteilung Bonn mit äußerst preisgünstigen Tickets und sogar annähernd pünktlich per Bahn nach Schwerin, wo wir gegen Mitternacht von Sönke und Jens per Kleinbus abgeholt wurden. Die autofahrende Fraktion war später gestartet und erreichte auch erst deutlich später das Ziel. Außerdem hatte sie nicht den Vorzug genießen können, sich mit einem Fäßchen Kölsch und einer Flasche – ich glaube es war – Wodka-Lemon in froher DoKo-Runde im Zug die Zeit zu vertreiben.

Vor Ort wurden erst einmal die (Wahl-)Kieler Wiebke und Torben zu ihren im einen Fall gerade abgeschlossenen, im anderen Fall gerade begonnenen Geburtstagen beglückwünscht. Zu diesem Zwecke hatten wir bonn-typisch zuvor den Werksverkauf eines zwischen Kessenich und Dottendorf gelegenen Süßwarenherstellers aufgesucht. Anschließend wurden – der Satz kommt irgendwie in solchen Fällen immer vor – alte Freund- und Bekanntschaften beim Bier aufgefrischt und neue auf ebensolche Weise geschlossen oder doch wenigstens begonnen. Unser Übernachtungsquartier befand sich übrigens in den großzügigen, wenn auch leider nicht mehr ganz up to date befindlichen Räumlichkeiten der Schweriner Rudergesellschaft, die durch große Fensterfronten einen herrlichen Blick auf das gegenüber liegende Schloß ermöglichen. Als Wanderfahrtsanlaufstelle (unter Einschluß künftiger AH-Wanderfahrten) allemal bestens geeignet!

Am Karfreitag, unserem ersten Rudertag, bot sich allerdings auch abgesehen vom Schloß ein imposanter Anblick: Auf dem eigentlich recht geschützt liegenden Zipfel des Schweriner Sees, den wir einsehen konnten, türmten sich nicht ganz unerhebliche, vom kräftigen Wind aufgebaute Wellen. Das Frühstück, für das Meinhard – wie auch an den folgenden Tagen; großer Dank! – bereits in aller Frühe Brötchen organisiert hatte, wurde dementsprechend in die Länge gezogen, bis es ein Grüppchen Unerschrockener aus beiden Vereinen schließlich in die Hand nahm, die Boote vom Hänger abzuladen, aufzuriggern und auf diese Weise mal zum Aufbruch zu blasen. Tatsächlich ließen sich so nach und nach auch die übrigen motivieren, nach Erledigung des Abwaschs die Nase in die frische Luft zu strecken. Nach kurzer Beratschlagung über die zu rudernde Route – es war „lediglich“ ein Rundkurs auf dem Schweriner See veranschlagt, so daß wir recht frei in der Tagesplanung waren – und Verkündung der Bootsbesatzungen stachen wir schließlich in (den) See. Mit dem Wellengang kamen naturgemäß die Dickschiffe wie Mennebein und die vollgedeckte Trave problemlos zurecht, aber auch die übrigen Boote ließen sich letztlich doch ganz gut rudern, zumal wir recht bald in geschützte Seitenkanäle abbiegen konnten. Zwar wurde manchenboots über die Wind- und Wasserverhältnisse etwas gejammert, aber da wußte ja auch noch niemand, daß Karfreitag in dieser Hinsicht lediglich ein Vorgeschmack auf den folgenden Samstag war...

Das Wetter hatte sich nämlich bis zum nächsten Morgen nur insoweit geändert, als der Wind nun aus einer geringfügig anderen Richtung blies und wohl auch etwas an Kraft zugelegt hatte. Da wir heute ein gutes Stück über den See zurückzulegen hatten, entfachte sich die gestrige Diskussion über „geht“ und „geht nicht“ natürlich erneut. Schließlich war man so weit, daß die wellengängigen Boote in jedem Falle die Fahrt wagen würden. Insbesondere den (an Bug und Heck gedeckten) C-2x+ Treene aber wollte man verladen und auf dem Landweg an den Ausgang des Sees transportieren. Darauf wenig Lust verspürend, schlug ich dann vor, ich würde den Zweier-mit wohl fahren, sofern jemand mitkomme. Sofort sagte Carsten und kurz darauf auch Hendrik zu, und so gingen wir die Fahrt schließlich doch mit allen Booten an. Ob Wind ob Sturm ob Wellenschlag??? Alle Mannschaften und Boote haben Wind und Wellen dann auch erfolgreich getrotzt. Kurz bevor das übernommene Wasser unsere Treene auf Seerohrtiefe oder schlimmeres befördert hatte, erreichten wir den schützenden Windschatten zweier Inseln, in dem wir – kräftige Ruderarme hier einmal zum Schöpfen schwingend – den flüssigen Ballast über Bord gehen lassen und zur Belohnung andere Flüssigkeiten als Nahrung zuführen konnten.

Derart optimiert ließen sich die wenigen restlichen und nun erheblich geschützter liegenden Kilometer über den See entspannt zurücklegen, so daß wir unversehrt die Mündung des Störwasserweges erreichten, den wir an diesem Tage noch bis in die Elde-Müritz-Wasserstraße befuhren. Zur Rechten und zur Linken befinden sich dabei Waldgebiete, von denen wir in unserem Boot mehrheitlich davon überzeugt waren, seit Napoleon habe ganz gewiß niemand mehr einen Fuß hineingesetzt... Optimal auch, daß das Kanälchen auf etwa 15 seiner insgesamt rund 25 Kilometer lediglich eine klitzekleine Kurskorrektur erfordert. Auf diese Weise war es selbst unserem an erfahrenden Steuerleuten etwas unterbesetzten Boot möglich, Weg und Richtung stets ohne Zögern zu finden. Angenehm auch, wenn man sich in Ruhe beim Rudern ansehen kann, welche Strecke man in der vergangenen Stunde zurückgelegt hat. Aber wie sagte schon Bismarck (oder war es Luther – vielleicht gar beide?): In Mecklenburg geschieht halt alles hundert Jahre später. Beschaulichkeit ist für diesen Landstrich wohl eher ein hektischer Begriff. Aber so hatten wir endlich einmal Zeit, nach Art der berühmten „Drei Männer im Boot“ Fragen aufzuwerfen und zu klären, die bis tief in die Psyche des Wanderruderers hineinreichen. Lediglich fehlte uns der Bordhund. Und wenn ich es recht bedenke, ließen sich auch festlich gekleidete Mädchen, die sich zum Schleppen des Bootes mittels Seilen bereitfinden, in der stillen Einsamkeit Mecklenburgs bedauerlicherweise nicht auftreiben.

An unserem Tagesziel angekommen, hoben wir die Boote in einem funkelnagelneu angelegten Sportboothafen aus dem Wasser und warteten frierend, aber geduldig ab, bis der Landdienst über elend weit von der Ideallinie abweichende Landstraßen die erste Fuhre Ruderer heim- und dann die leeren Autos zu uns zurückgefahren hatte. Auf diese Weise aber konnten wir uns wenigstens vor dem Kochen drücken, so daß wir bei Ankunft lediglich noch duschen und uns an den gedeckten Tisch setzen mußten. Wie zum Beweis dafür, daß es nicht an den Fahrern gelegen hat, daß wir so lange warten mußten, bekam der ARV Kiel wenige Wochen später vom Landkreis Parchim ein gut gelungenes Photo des konzentriert den Leihwagen chauffierenden Till zugesandt. -- Bleibt zu melden: Selten habe ich in einem Boot auf Wanderfahrt so viel gelacht wie an diesem Ostersamstag mit Hendrik und Carsten. Und das lag nicht nur an der Episode mit einem als Baseballschläger mißbrauchten Paddel, drei Booten, Sönke, Michael, Bettina und der Bananenschale...

Der dritte Tag war in mehrfacher Hinsicht ein besonderer. Dabei war die Ruderstrecke auf der Elde-Müritz-Wasserstraße Richtung Elbe zwar attraktiv, aber nun auch nicht umwerfend. Lange Jahre – wohl gut zehn an der Zahl – war es indessen her, daß ich auf einer Wanderfahrt in einem Riemenboot gesessen habe. Die Etappe in der schweren Mennebein habe ich aber sehr genossen. Zwar ist man nicht wirklich schnell, aber das stete Vorankommen mit stets einer freien Hand ist eben auch nicht zu verachten. Noch dazu, wenn mit Knittl, Christoph Schiefer, David und mir eine Mannschaft beisammen saß, die nicht nur ruderisch ganz gut harmonierte, und mir die ehrenvolle Aufgabe zukam, den Schlagriemen zu führen und mich also vis-a-vis mit unserer Steuerfrau Mareike unterhalten zu dürfen, die wir mit der Versprechung ins Boot gelockt hatten, sie müsse nicht rudern. Daß wir uns ihren Kommandos den ganzen Tag lang erfolgreich, aber einstimmig widersetzen würden, hatten wir ihr allerdings vorher nicht verraten...

Mittags – und damit bin ich bei der zweiten Besonderheit angelangt – wurde dann auf einem Schleusengelände ein umfangreiches Ostereiersuchen veranstaltet, das der Landdienst, den wir uns an diesem Samstag geleistet haben, in hingebungsvoller Arbeit vorbereitet hatte.

Die dritte Besonderheit für eine „normale“ Wanderfahrt folgte am Abend: Für die Interessierten, das heißt für fast alle Teilnehmer, waren nämlich Karten für das Staatstheater in Schwerin vorbestellt worden. Und so kam es, daß nach zeitlich viel zu knapper Rückkehr binnen weniger Minuten rund fünfzehn verschwitzte, Bierflaschen nicht nur haltende, mit stinkigem Schuhwerk bestückte, mithin kaum gesellschaftsfähige Ruderer zu ordentlich gekämmten, sauber duftenden, überwiegend in Bluse oder Hemd, in einem Fall gar ins Sakko gewandeten, kulturinteressierten jungen Damen und Herren mutierten. Daß wegen unserer Ankunft im von Carsten seit Jahren propagierten just-too-late-Verfahren die Vorstellung etwa zwei Minuten später als vorgesehen begann, fällt da meiner Meinung nach kaum mehr ins Gewicht. Inszenierung und Darbietung des bekannten Stückes „Cabaret“ waren übrigens ausgezeichnet. Ich hatte den Eindruck, daß es allen gefallen hat. Sicherlich eine Idee, die für die eine oder andere Wanderfahrt Nachahmung verdient!

Als ganz besonders vorteilhaft erwies es sich, daß nicht alle sich dem Kulturstreß hatten aussetzen wollen, denn das führte dazu, daß wir Theatergänger bei unserer Rückkehr bereits mit Abendessen empfangen wurden. Diesen letzten gemeinsamen Abend nutzten die meisten überdies, um noch einige Stunden beisammen zu sitzen, das berühmte Kieler „Wasser“ zu probieren und den dritten Geburtstag dieser Wanderfahrt gehörig zu begehen. Hendrik reihte sich nun in die Reihe der hochleben zu Lassenden ein.

Am Ostermontag endlich kam der Wind aus der richtigen Richtung. Etliche Kilometer der Tagesetappe wurden von den Mannschaften unter Vollzeug segelnd zurückgelegt. Neben klassischen Rahsegeln (Regenjacken an t-förmig verbundenen Paddelhaken) und Spinnakern sah man auch allerhand unorthodoxe Takelage, was aber weder Spaß noch Vortrieb abträglich war. Das schönste daran war, daß gleichzeitig die Sonne so warm schien, daß man auch ohne Ruderbewegung angenehm gewärmt wurde und einige der Damen sogar die ersten Bauchfrei- bzw. Bikiniexperimente der Rudersaison wagten. Honi soi qui mal y pense…

Der Abschied am Fahrtenzielort nach insgesamt 105 teils hart erkämpften, teils leicht errungenen Bootskilometern gestaltete sich zu der meisten Bedauern etwas hektisch, da unsere Zugverbindung ab Schwerin nach den großartigen Serviceleistungen der Deutschen Bahn nicht verschiebbar war und noch eine knappe Stunde Autofahrt bis zum Bahnhof zurückzulegen war. Anders als der Zug erreichten wir mit Sönkes Hilfe aber pünktlich den Schweriner Bahnhof...

Um ein Fazit zu ziehen:

Wir durften eine tolle Wanderfahrt genießen. Natürlich – das ist kaum ernsthaft zu bestreiten – ist es immer ein besonderer Genuß, zu einer Fahrt anzureisen, ohne mit dem Verladen, dem Transportieren und vor allem dem Abladen und Reinigen der Boote irgendetwas zu tun zu haben. Das hat der ARV Kiel gewohnt souverän erledigt. Aber auch alles andere wie Quartier, Bootsmaterial, Verpflegung und was der gemeine Wanderruderer sonst noch so alles benötigt und zu schätzen weiß, hat gestimmt. Prima auch, daß es – übrigens auch bei Rhenus-Touren – wieder Wanderfahrten gibt, bei denen sich ganz von allein eine ausreichende Zahl von Freiwilligen findet, die kochen oder abwaschen oder die Boote aufriggern oder den Übernachtungsraum ausfegen oder oder oder. Till gebührt darüber hinaus ein wirklich großes Kompliment für die extrem unauffällige und doch effektive Leitung dieser Tour. Daß er meines Wissens über bestenfalls marginale WaFa-Organisationserfahrung verfügt und daß die Gruppe aus zwei Vereinen bunt zusammengemischt war, möge diese Einschätzung noch unterstreichen. Sonderlob gibt´s für die Idee mit dem Theater!

Mit von der Partie waren:

ARV Kiel:

Mareike Kobarg, Sandra Wanzenberg, Wiebke Grauel, Christian Knittlmayer, Hendrik Schreiner, Jens Schröder, Meinhard Stalder, Sönke Landgraf, Till Hurlin, Torben Keyser, WilLi Ermgassen

ARC Rhenus Bonn:

Bettina Jung (Gast), Sabine Beyer, Sausi Krautstrunk, Susi Schnell, Carsten Dilba, Christoph Bommas, Christoph Schiefer (damals noch Gast), David Kaiser, Heiner Schulze Uphoff, Michael Huth

Boote des ARV Kiel:

Hui hui (E-4x+), Mennebein (D-4+), Trave (AB-2x+), Treene (C-2x+), Trochard (E-3x+)

Abschlußbemerkung:

„Drei Männer im Boot ... ganz zu schweigen vom Hund, Roman einer Themsefahrt“, von Jerome K. Jerome, auch als Taschenbuch zu bekommen, Prädikat: unbedingt empfehlenswert; gleichfalls die moderne Fortsetzung „2 ½ Männer im Boot“, deren Autor mir entfallen ist!

Michael Huth

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