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ARC Rhenus -  Berichte


Osterfahrt 2003 oder

der vergebliche Versuch, eine Tradition zu schaffen

Mit der Tradition ist es in unserem Rhenus so eine Sache. Natürlich gibt es feste Traditionen an denen nicht gerüttelt wird; so z.B. die Allwissenheit in Sachen Clubgeschichte von Wilfried oder die rudertechnische Überlegenheit von Horst.

Andere Traditionen folgen dem griechischen "Panta rhei" und sind ein wenig unscharf: Die Pfingsttour geht nicht immer an die Lahn, die Federweißentour nicht immer an die Mosel, das Skiffwochenende nicht immer nach Hürth

Die Osterwanderfahrt zusammen mit der FRG Germania geht an den Hochrhein. Immer. Leider konnte ich niemanden aus unserem Club motivieren, mitzufahren. Fast wie immer.

Die folgende Fahrtenbeschreibung ist deshalb als Werbung gedacht für ein einmalig schönes Ruderrevier und für eine Tour, die durch die Zusammensetzung der Teilnehmer aus Rudervereinen aus Frankfurt, Bonn, Passau, Düsseldorf und Karlsruhe einen besonderen Flair hat.

Voranschicken möchte ich ein herzliches Dankeschön an meinen Club und die Ruderwarte für das Überlassen von drei Booten und Gespann.

Nachdem mir einige liebe Clubgeschwister beim Verladen geholfen hatten, hieß am Gründonnerstagabend die erste Etappe Frankfurt am Main. Von dort ging es am Karfreitag um 4 Uhr morgens nach Konstanz am Bodensee. Die Teilnehmer trafen sich am Bootshaus der Undine Konstanz und riggerten auf. Das schwäbische Meer zeigte sich von seiner angenehmsten Seite. Die Sonne schien ausgiebig, kein Wind kräuselte das kristallklare Wasser.

Die Konstanzer Dreifachbrücke (Eisenbahn, Autoverkehr, Fußgänger) ist übrigens der Startpunkt der Rheinkilometrierung, d.h. von hier aus sind es genau 652,9 km bis zum Rhenussteg. Man rudert bei leichter Strömung an den westlichen Stadtteilen der alten Konzilstadt vorbei, und schon bald zeigen Fahnen auf dem Südufer das eidgenössische Kreuz. Hinter hohen Schilffeldern auf Steuerbord sieht man die Kirchturmspitzen von Reichenau. Horn, auf der deutschen Unterseeseite, markiert den Abfluss des Rheines Richtung Stein, das man nach insgesamt18 Kilometern zur Mittagspause erreicht. Hier wird der Rhein nun endgültig zum Fluss mit flotter Strömung. Stein am Rhein liegt wie gemalt mit seiner Altstadt um die Rheinbrücke unter dem Schutz der gut erhaltenen Burg.

Nach Schaffhausen, unserem Tagesziel, ist es nur ein Katzensprung von 24 km; manches Boot überließ im schönen Wetter die Arbeit hauptsächlich der Strömung und genoss dabei die Aussicht auf die Ausläufer des Jura.

Nach dem Verladen der Boote und der kurzen Fahrt nach Neuhausen am Rheinfall wurden die Boote wieder für den nächsten Tag präpariert und die Mannschaften spazierten zum Schloss Laufen, dessen Jugendherberge direkt über dem Rheinfall uns beherbergte. Trotz des Niedrigwassers bot der Fall des Flusses über die 19 Meter hohe Kante ein imposantes Bild. Nach gutem und reichlichem Mahl traf sich ein Teil der Mannschaft zum Doppelkopf. Ein anderer Teil stellte, wie so oft in den Jahren zuvor, wieder fest: Das Nachtleben von Schaffhausen ist keine Reise wert.

Der Ostersamstag bot die vielleicht landschaftlich reizvollste Etappe. Von Schaffhausen aus ging es durchs Rheintal bis Rheinau. Hier schlägt der Fluss eine fast komplette Schleife um die Insel des ehemaligen Klosters mit seiner Barockkirche. Drei kleinere Wehre stauen das Wasser für ein im Berg verborgenes Kraftwerk. Das Übersetzten gelang wieder problemlos mit einer Art Standseilbahn an jedem Wehr, die vom Kraftwerkspersonal ferngesteuert wurden.

Nach Eglisau hin hat sich der Rhein einen regelrechten Canyon gegraben, der sich zum Städtchen hin weitet und den Blick auf das hohe Eisenbahnviadukt freigibt, welches das Tal überwindet. Am Kraftwerk Eglisau wartete schon der Landdienst mit leckeren belegten Brötchen und anderem Gaumenkitzel. Der Chef des Kraftwerkes ließ es sich nicht nehmen, seinen Samstagsspaziergang zu unterbrechen und uns persönlich zu schleusen. In Richtung auf Reckingen zu wird das Rheintal breiter. Um das Reckinger Kraftwerk zu überwinden, hat man in den vergangenen Jahren hohe Ingenieurkunst bemüht und eine generatorbetriebene elektro-hydraulische Zahnradbahn installiert, die jeweils zwei Boote über das Wehr transportiert. Sehr komfortabel!

Dann wurde es spannend. Bei Stromkilometer 99 wartet die letzte Wildwasserpassage auf ihre Opfer. Die letzten Jahre meist durch Hochwasser verwöhnt, machte diesmal der sehr niedrige Wasserstand einige Probleme. Auf einer Strecke von 900 Metern verliert der Strom ca. 6m Höhe und bildet mit reißender Strömung und langen Felsrippen auf dem Grund die "Koblenzer Laufen". Nach kurzer Besichtigung entschieden wir uns fürs Durchfahren. Während die versierten Steuerleute an den Strippen der Rhenusboote die Passage bravourös meisterten, blieb der Vierer der FRG kurzzeitig hoch und trocken auf zwei Felsrippen hängen. Bis auf einen mit Bordmitteln zu richtenden Schaden am Steuerbeschlag ist jedoch nicht passiert.

In Waldshut übernachteten wir in einem Gästehaus auf dem Campingplatz, da der Ruderverein leider keine Gäste aufnehmen kann. Der Tag wurde bei griechischer Küche und deutschem Bier gemütlich beendet.

Der nächste Tag auf dem Weg nach Basel begann mit vielen Erinnerungen an vergangene Fahrten auf dieser Etappe; Schneesturm, Regen, Nebel, vergessene Zugfahrzeugschlüssel und anderes Ungemach verschonte uns dieses Jahr. Stattdessen wieder herrlichster Sonnenschein und die Tagesaufgabe: Schlagt den "Lällekönig" (dazu später mehr). Hinter dem Kraftwerk Albbruck-Dogern erwartete uns ausgesprochenes Flachwasserrudern. In Laufenburg dann die imposante Durchfahrt durch die Stadt, in der vor vielen Jahrzehnten noch gewaltige Stromschnellen tobten. Durch die Staustufe des Kraftwerks sind diese lange verschwunden, als Ruderer lernt man aber am Kraftwerk eine weitere Variante des Übersetzens kennen: Der Schrägaufzug befördert die Boote aus 25m Höhe fast senkrecht ins Unterwasser.

Schon lag Bad Säckingen auf unserem Weg mit der Mittagspause im dortigen Ruderclub, wo wir wie immer sehr nett empfangen wurden. Das Kraftwerk Rheinfelden versperrt den Weg nach Basel. Hier kann leider nur mit dem Gespann umfahren werden. Vor ca. 15 Jahren hat mal eine Mannschaft des Rhenus versucht, in den Kraftwerkskanal einzufahren, um Fußwege abzukürzen. Wie bekannt, hängen seit dem die Reste von "Tünnes" in der Ariston-Bar.

Wir gingen auf Nummer sicher und haben vor dem Sperr-Rechen ausgehoben. Die letzte Schleuse des Tages und auch die erste Großschiffahrtsschleuse am Rhein ist Augst. Hier gilt es, nach Möglichkeit zusammen mit dem dort verkehrenden Fahrgastschiff nach Basel, dem "Lällekönig", zu schleusen. Wird man nämlich nicht mit dem "Lällekönig" zusammen geschleust, darf man umtragen. Käme man jetzt spät in Rheinfelden los, müsste der "Lällekönig" u. U. eingeholt werden. Das hieße dann 8km Rennrudern. Legt man früh genug in Rheinfelden ab, kann man gemütlich nach Augst rudern und sich auch noch die römischen Thermen ansehen. Dieses Jahr wählten wir Variante 2. Ein gemütliches Abendessen im Ruderverein Grenzach, wo wir wie immer herzlichst empfangen wurden, ließ den Abend ausklingen.

Der Montag als letzter Tag hatte eine Überraschung für uns: Es regnete in Strömen! Erst als wir nach 3 km die Schleuse Birsfeld verließen und durch die historische Altstadt Basels fuhren, klärte es auf und wurde noch richtig sonnig. Die Etappe nach Breisach umfasst auch den Rhein-Seiten-Kanal ("Grand Canal d´Alsace"), der neben dem Altrhein auf französischer Seite bis Breisach entlangläuft. Der Altrhein als ein herrliches Biotop ist leider nur bei guten bis hohen Wasserständen zu befahren. Vom Grand Canal aus Grüßen die Gipfel des Schwarzwaldes an Steuerbord und die Vogesen gegenüber. Durch imposante, bis zu 280m lange und 20m breite Kammern mit 12m Hub wird man an der Kraftwerken geschleust. Der Kanal ist meist gut fahrbar, da durch die schrägen Böschungen die Wellen der Großschiffahrt gut auslaufen.

Am späten Nachmittag kamen wir in Breisach an. Nach dem Verladen der Boote zerstreute sich die Mannschaft wieder in ihre Heimatreviere, um sich mit Sicherheit Ostern 2004 wieder in Konstanz zu treffen. Vielleicht dann mit mehr Rhenusen?

Claus Rycken

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